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"TRUTZ"
von Katharina Schlender

Mein Traum. Stille. Tun was man will und niemand der dazwischenspricht.
Das war der Grund weshalb ich fort bin.
Wollt nichts nachleben was vorgelebt ist.
Da war kein Platz. Ich will auch keinen.
Einen Weg brauch ich.
(Trutz TRUTZ)

Regie:    Sebastian Wirnitzer      Es spielen:   Sven Laude: Trutz Felschelin
Bühne:   Stefan Oppenländer        Eva Math: Frauke Felschelin
       Rainer Wöss: Karl Felschelin
       Ariane Ott: Gerda Alusch
       Silvana Schneyder: Nadja Einbrodt
       Jean Maeser: Bürger

Trutz probt Anpassung und Befreiung. Sein Leben könnte übersichtlich und gemütlich sein. Er übernimmt die väterliche Autowerkstatt, heiratet Gerda, wird selbst ein Vater und trinkt täglich mit den Eltern Kaffee. Wie es sich gehört. Er will es ja allen recht machen. Aber da sträubt sich was gegen die verbrauchte Vernunft, gegen den Zwang zur Harmonie. Ein langsames Platzen liegt in der Luft. Bis Trutz fast das Haus abbrennt, bis er rausfliegt aus der gutgemeinten Enge. Ein Möchtegernbrandstifter, ein verhinderter Elternmörder, ein trauriger Ausbrecher, der endlich in die Welt zieht. Im Gepäck seinen zerbröckelnden Widerstand und die Hoffnung, daß da was auf ihn wartet. Weit kommt er nicht. Gerade bis zum Meer. Dort lebt die Aussteigerin Nadja unter einer Seebrücke. Geduldet vom Brückenwart Birger, der ihr täglich schlecht schmeckende Kuchenpakete seiner backwütigen Frau zuwirft. Hier könnte das unabhängige Leben stattfinden, meint Trutz in kurzer Euphorie. Aber Nadja wird nicht zulassen, daß Trutz sich neben ihr einnistet und von Sehnsucht und Weltverbesserung spricht. Seine Versuche, aus Strandgut eine Schutzwand zu bauen, werden ignoriert. Für Nadja ist Trutz ein Spießer, der unberechtigt in ihre Ungemütlichkeit eindringt. Am Strand spazieren die Eltern vorbei. Frei von der Last, ewig ungenügende Vorbilder zu sein. Mit einem Rest verkniffener Funktionalität. Und gemeinsam sehen sie zu, wie die verlassene Gerda mit einem Ruderkahn im Meer versinkt. Katharina Schlenders Figuren sind kantig, krude und komisch. Sie stecken fest in ihren Welten, lüften kurz und schlagen sich die Fenster vor den Nasen zu. Mit einer berückend eigentümlichen Kunstsprache, fernab jeder Mode.

 

Katharina Schlender Katharina Schlender geboren 1977 in Neubrandenburg. Studierte an der Universität der Künste Szenisches Schreiben und arbeitet seit 2000 als freischaffende Autorin in Berlin. Alle Veröffentlichungen bei henschel Schauspiel Theaterverlag Berlin sowie bei Whale Songs Communications Verlagsgesellschaft Hamburg. Sie erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, u. a. 2008 das Stipendium zum Deutschen Kindertheaterpreis. 2005 den Publikumspreis der St.Galler Autorentage. 2003 den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarktes, Stipendium Deutscher Literaturfonds. 2002 und 2000 den Baden-Württembergischen Jugendtheaterpreis. 2001 Kleist-Förderpreis für junge Dramatik, Stipendium der Preußischen Seehandlung. Aufenthalte im Stuttgarter Schriftstellerhaus, Künstlerhaus Schloß Wiepersdorf u. a.



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