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"DER WASCHBOY Familienepos in 10 Szenen"
von Rolf Kemnitzer

JUNGE: Ich mache ein Foto mit Selbstauslöser. Ich bin Fotograf. Ich mache ein Familienfoto, wie in den Geldbeuteln von meinen Kollegen. Diese Fotos bringen Glück, deshalb hat sie jeder dabei. Mit solchen Gewißheiten kann man sein Selbstverständnis erhöhen, sagt mein Therapeut. Willst du auch ein Foto für deinen Geldbeutel?
MANN: In meinem Geldbeutel liegt ein Zettel. „Lieb sein zu meiner Frau“, steht darauf. Den hat mir meine Frau hineingelegt. Tja.

Regie:    Bettina Rehm      Es spielen:   Thomas Schreyer: Mann
Bühne:   Stefan Oppenländer        Daniel Koch: Junge
       Anja Dreischmeier: Fremde
    
Mitten in der Nacht stellt der Mann im Keller seiner Villa einen fremden Jungen. Was zunächst wie ein Einbruch aussieht, ist der Auftakt zu einer kuriosen Begegnung. In der Hand ein altes Foto als "Beweisstück", behauptet der Junge, sein Sohn zu sein. Er drängt sich in das Leben des Mannes. Wie selbstverständlich richtet er sich in der Villa ein und fordert den Mann zur Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit heraus. Alte Sehnsüchte und Ideale tauchen vor dessen Augen wieder auf. Er meint sich selbst bei der Betrachtung des Jungen wiederzuerkennen. Der ebenso unerwartete wie ungewöhnliche "Vaterschaftstest" zwingt ihn zum Nachdenken über seine jetzige Situation, seinen Job, die Beziehung zu seiner Frau. Will der Junge sich auf dem Weg ins Erwachsenenleben an einem "Vater" orientieren oder ihm den Platz streitig machen? Sucht er nach Vorbildern oder Feindbildern? Eine skurrile Geschichte in zehn Bildern über "perfekte Mannsbilder", veränderte Männerrollen und verweigerte Vaterschaft.

 

Rolf Kemnitzer Rolf Kemnitzer 1964 in Scheinfeld geboren. Er wuchs in Belgien auf und absolvierte eine Theaterregieausbildung an der Ulmer Theaterakademie. Seit 1988 arbeitet er als Regisseur, Autor und Schauspieler für Off-Gruppen, Stadt- und Landestheater. Seit 1997 ist er als freier Autor in Berlin tätig. Alle Veröffentlichungen beim Verlag der Autoren. Die Stücke wurden u. a. in Dresden, Saarbrücken, Stuttgart und Hannover uraufgeführt. Er wurde zu vielen Autorentheaterwochen eingeladen und hat mehrere Stipendien erhalten, u.a. das Döblin-Stipendium der Akademie der Künste Berlin. Seine Inszenierung von »Magic Afternoon« wurde 2004 zum »Theaterpreis der Stuttgarter Zeitung« eingeladen. Seit 2003 arbeitet er als Radioautor, u. a. für den WDR, den BR und das Deutschlandradio.



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